Die Straße ist das Ziel: Reisen mit dem Camper

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Corinna Harder Sonntag, 11. April 2021 von Corinna Harder

On the Road – Unterwegs sein

Die Straße ist das Ziel: Reisen mit dem Camper

Wenn du die durchaus umfangreichen und zuweilen stressigen Vorbereitungen hinter dir hast, schmeißt du den Motor an und das Abenteuer beginnt. Grenzenlose Freiheit und Entspannung pur. Urlaub von der ersten Minute an …

Nun, die Realität sieht meist anders aus. Erst recht, wenn du nicht zu den Profis am Wohnmobil-Volant gehörst. Für die Jung- und Erstcamper beginnt hier zunächst die Phase der Eingewöhnung. Viele sind jetzt das erste Mal relativ lange am Steuer, kleine Touren und Probefahrten mal ausgenommen.

Du bist doch relativ langsam unterwegs, und wenn du zum Beispiel Landstraßen bevorzugst, dann bist du eigentlich dauernd gefordert. Gewicht und Größe des Fahrzeugs sind noch nicht so vertraut und an vielen Stellen wird von dir besondere Vorsicht gefordert.

Das wird so sein und sollte dich keinesfalls abschrecken. Am Ende deiner Tour wirst du das ganz anders sehen, wirst zum »Kapitän« der Landstraße aufgestiegen sein und dir gar nicht mehr vorstellen können, dass das jemals anders gewesen ist. Ein Lernprozess. Damit der nicht so schwierig und schmerzhaft ausfällt, kannst du ein paar Ideen beherzigen.

Umgang mit dem Fahrzeug

Über allgemeine Regeln für den Umgang mit dem Camper und das Verhalten auf Straßen kommen wir nicht hinaus, zu individuell werden die Schwierigkeiten und die Herausforderungen hier sein.

Sicherheit hat oberste Priorität, für dich, deine Lieben und natürlich auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Du hast deine Ladung gut gesichert und festgezurrt, die Maße, also Höhe und Breite, kontrolliert und auf das zulässige Gesamtgewicht hattest du auch geachtet. Fenster, Türen, Luken, Schränke und Klappen sind geschlossen und verriegelt, alles, was rumsteht, hast du eingeklemmt oder angebunden. Prima.

Maximal zulässiges Gesamtgewicht: Findest du in deinem Kraftfahrzeugschein

Auch wenn es so gemütlich ist, die echte Wohnzimmeranmutung ist für den Führerstand des Neulings sicher nichts. Alles, was du zum Steuern und fahren brauchst, muss gut zugänglich sein. Den ganzen Kleinkram, den man so bei sich hat, solltest du sicher (rutschfest) auf den Ablagen an und um das Armaturenbrett unterbringen. Telefon, Tabaksbeutel, Feuerzeug, Lippenstift – wie immer beim Autofahren gilt auch hier, möglichst wenig rumfliegender Kram. Dein Fußraum ist um einiges großzügiger als bei deinem Pkw, dort kann alles recht komfortabel rumkullern und dabei durchaus schwieriger einzufangen sein. Nicht zu vergessen, das Heißgetränk, hierfür solltest du entsprechende Halter haben.

Mit den technischen Einrichtungen deines Fahrzeugs hast du dich vertraut gemacht, wo Blinker, Schalter und die wichtigsten Regler sind, weißt du blind. In der ersten Zeit wirst du sicherlich oft mit den Augen woanders sein, die Abmessungen deines Campers und den schmalen Spalt bis zur Hauswand im Spiegel beobachten, deine Handgriffe sollten demnach sicher und zielgerichtet sein.

Am wichtigsten ist dafür obendrein eine klare Sicht. Deine Außenspiegel und die Cockpit-Scheiben sollten geputzt und funktionstüchtig sein. Am besten ist es natürlich, wenn die Rückspiegel so groß sind, dass du die Straße neben und hinter deinem Fahrzeug bis zur gesamten Höhe deines Campers gut im Blick hast. Hier können zusätzliche kleine Spiegel hilfreich sein, wenn der Hersteller an der Stelle geschludert hat.

© Mirko Vitali, Adobe Stock

Abfahrt

Und dann kann es losgehen. Dein Abenteuer beginnt, der Diesel blubbert, brabbelt oder grollt und die Straße ist deine. Ist schon toll, mit einem solchen »Schiff« unterwegs zu sein.

Im Straßenverkehr

Fair geht vor. Gelassen und rücksichtsvoll sollte vielleicht auch deine Devise sein. Gerade in der ersten Zeit wirst du bestimmt an verschiedenen Stellen das Verständnis der anderen Verkehrsteilnehmer gebrauchen können.

Eine defensive und rücksichtsvolle Fahrweise bietet sich an und bringt dich sicherlich weiter.Über kurz oder lang wirst du merken, dass sich »Zeit schinden« und Camper-Fahren irgendwie ausschließt. Du bist quasi geschwindigkeitsmäßig in der Lkw-Liga gelandet, hier jetzt verbissen zu agieren und irgendwas akribisch erreichen zu wollen entspricht weder deinen Möglichkeiten noch dem entspannten Reisen, von den du vielleicht geträumt hast.

Umsichtig und vorausschauend fährst du am besten. Du solltest die Geschwindigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer gut einschätzen können, das erspart dir Ärger und unnötiges Gehupe von aufgebrachten Linksfahrern. Du bist nicht viel schneller als der durchschnittliche Lkw, du kannst es beim Überholen ruhig langsam angehen lassen. Und wenn die ganzen Verrückten vor dir sind, dann hast du sie auch besser im Blick.

Insgesamt haben wir es in Deutschland mit einem stetig steigenden Verkehrsaufkommen zu tun und trotz der umweltpolitischen Feigenblätter gilt das im Besonderen für den Warentransport, den Lkw-Verkehr. Auf wundersame Weise hast du es mit denen also dauernd zu tun. Ganz gleich, ob du die Landstraße vorziehst oder längere Strecken auf der BAB hinter dich bringen möchtest. Ein bisschen Respekt kann an dieser Stelle nicht schaden, die sind nämlich noch größer, und Rücksicht hatte ich ja schon erwähnt.

Im Camper

Der Gesetzgeber regelt die Vorschriften eindeutig. Während der Fahrt haben alle Passagiere zu sitzen und die Sicherheitsgurte anzulegen. Das heißt, dass für jeden Mitfahrer ein Sitzplatz mit Gurt vorhanden sein muss. Spezielle Sicherheitsvorrichtungen sind überdies auch für deine Haustiere Pflicht. Das kleine Nickerchen, die schnellen Spaghetti zwischendurch und lustig tobende Kinder während der Fahrt sind demnach verboten. Du bist zwar vergleichsweise geruhsam unterwegs, aber bei Kontakt mit einen Hindernis immer noch viel zu schnell, als dass ungesicherte Familienmitglieder nicht zur ernsthaften Gefahr für sich selbst oder dich werden könnten.

Staus

Auf unseren Straßen sind so viele Fahrzeuge zu finden, dass der nächste Stau nur eine Frage der Zeit ist. Sinnvoll kann in dieser Situation der Aufenthalt auf dem rechten Fahrstreifen sein, du solltest deinen Camper möglichst weit rechts halten und die Fahrbahnmarkierungen dabei beachten. Sowohl auf dem Standstreifen als auch in der Rettungsgasse können Polizei- oder Krankenwagen und Abschleppfahrzeuge in relativ schneller Fahrt an dir vorbei wollen, dies müssen sie auch können. Im Zweifelsfall ist dein Fahrzeug eher schlecht beweglich, du könntest im Ernstfall zur Behinderung werden, wenn du dich mittig oder links platziert hast.

Ein Stau nagt aber auch an deinen Nerven. Das ständige Stopp and Go auf der Strecke steigert deinen Stresspegel und quengelige Kinder entspannen die Situation keinesfalls. Flexibilität habe ich an verschiedenen Stellen schon angesprochen, die kann dir helfen. Wenn du nicht zu »streng« geplant, wenn du deine Tagesetappen großzügig bemessen hast, dann solltest du einfach locker bleiben. Letztlich hast du sowieso keine Wahl. Eine alternative Route, die du dir vorher zurechtgelegt hast, kann im Vorfeld des Staus eine willkommene Hilfe sein. Aus dem Stau heraus abzufahren und über die dann ebenfalls überlasteten Nebenstrecken zu Ziel kommen zu wollen ist nur ganz selten eine gute Idee. Eine Faustregel, sofern man Regeln aufstellen kann, bis zu zehn Kilometern Staulänge empfiehlt sich das Aussitzen, sofern du es nicht mit einer dauerhaften Vollsperrung zu tun hast.

Nur zur Erinnerung: Kommt der Verkehr zum Stehen, schaltest du die Warnblinkanlage ein. Das dient deiner eigenen Sicherheit. Du steigst im Stau nicht aus und du benutzt auch nicht den Standstreifen. Autobahnen sind sichere Verkehrswege, solange alles glatt läuft, im Falle einer Stockung oder eines Zwischenfalls steigen die Gefahren rapide an.

© Mirko Vitali, Adobe Stock

Kleine Hilfsmittel

Insbesondere Kinder kannst du mit Spielen, Hörbüchern und anderen Kleinigkeiten leicht ablenken und dir damit viel Stress ersparen. Denk- und Kartenspiele, wie z. B. black stories Junior, sorgen an Bord für gute Stimmung, wenn das Fortkommen gerade nicht klappen möchte. Ein kleiner Snack und Getränke sollten ebenfalls griffbereit zu finden sein. Und wenn es wirklich ganz übel wird, du hast deine Unterkunft dabei, fahre ab, vertrete dir die Beine und gehe erst wieder auf die Piste, wenn du vorwärtskommst.

Baustellen

Rücksichtsvoll kannst du dich auch vor Baustellen verhalten. Oftmals sind die linken Spuren in Baustellen schmaler, kommen nur für den Profi-Camper-Fahrer oder eventuell gar nicht in Betracht. Die Maße deines Wohnmobiles kennst du, die vorhandene Spurbreite wird angezeigt, sich frühzeitig daran zu orientieren und auf die breitere rechte Spur zu wechseln verhindert Stockungen und lässt alle Fahrer zügiger ans Ziel kommen.

Bei gesperrten Spuren empfiehlt das gegenteilige Vorgehen, du nutzt deine Fahrspur bis relativ kurz vor der Sperrung und fädelst dich dann im Reißverschlussverfahren ein. So ähnlich liest sich übrigens auch die Regelung in der StVO. Wenn sich alle so verhalten, verringert ihr das Staurisiko und sorgt für die geringstmögliche Belastung.

Vorbeugen

Um auf deiner Reise Staus und Baustellen zu umgehen und gar nicht erst hinein zu geraten, kannst du auf Meldungen im Radio achten, dein Navigationsgerät im Auge behalten oder auf Apps zurückgreifen. Die Auswahl ist riesengroß, aber ein ein paar Empfehlungen für hilfreiche Camper-Apps kann ich dir geben:

coming soon

Achte auf die Unterschiede

Dein Camper ist deutlich größer und schwerer als dein Pkw. Das fordert seinen Tribut, wenn es um das Bremsverhalten, die Kurvenfahrt und die Beschleunigung geht. Hieran wirst du dich zwangsläufig gewöhnen, aber bis es so weit ist, kann etwas Vorsicht und Lernbereitschaft nur von Vorteil sein. Obendrein hast du jetzt eine andere Perspektive auf das Geschehen im Straßenverkehr, in der Regel ist die Sicht nach vorne aber besser und du hast mehr Überblick.

Ein weiterer Punkt sind die Seitenwinde. Dein Camper hat natürlich auch deutlich mehr Fläche für den Wind zu bieten. Die kleinen bunten Windsäcke vor Brücken haben auf einmal eine viel wichtigere Bedeutung. Zudem hast du eine erhöhte Kippgefahr, allzu ruppige Manöver und hektische Spurwechsel können deinen Camper zum Aufschaukeln und schlimmsten Falls zum Kippen bringen. Der Schwerpunkt liegt naturgemäß höher als bei Pkw, und wenn du beim Beladen nicht aufgepasst hast, können sich die Gefahren potenzieren.

Rasten

Die Situation der Lkw-Fahrer im Hinblick auf vorgeschriebene Pausen und Ruhezeiten ist recht dramatisch, die finden keine ausreichenden Plätze, um stehen zu bleiben. Somit bringen sie uns nicht selten alle in Gefahr und sind dazu auch noch verpflichtet. Ein umsichtiges Verhalten auf den vorhandenen Rastplätzen zeichnet dich aus.

Du musst nicht unbedingt den letzten verbliebenen Lkw-Standstreifen für deine Abendmahlzeit nutzen, in der Regel ist es für dich und deinen Camper einfacher ein Plätzchen zu finden und meist hast du die größere Auswahl. Ich finde es immer schöner, für die Nachtruhe gleich ganz von der Autobahn abzufahren und mir einen Parkplatz im Grünen zu suchen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Es ist ungefähr so wie bei Tetris, es gilt, den vorhandenen Raum bestmöglich zu nutzen. Und notfalls kann man immer bei der Ankunft klären, wer zuerst weiter möchte und wann man wen rauslassen muss.

Unterwegs

Für mich ist der Weg schon ein Teil des Urlaubs. Ich versuche immer, möglichst entspannt zu reisen und schon die Fahrt genussvoll zu begehen. Von der Hetze zum Campingplatz halte ich nicht so viel. Das möchte ich auch dir ans Herz legen. Mein Camper und ich haben eigentlich alles, was wir unterwegs brauchen und diese einfache Tatsache mache ich mir zunutze. Beinahe überall kann ich Neues und Aufregendes entdecken, wenn ich mir die Zeit dazu lasse. Campen ermöglicht mir ein entschleunigtes Urlauben, das wünsche ich dir auch.

© Mirko Vitali, Adobe Stock

Rechtliches

Natürlich gibt es in Deutschland ganz viele Vorschriften. Selbstredend betreffen diese auch Camper und ihre Nutzung. Selbstverständlich können meine Tipps und Ratschläge an dieser Stelle nicht vollständig sein, ich kann höchstens die wichtigsten Grundsätze anreißen. Zusätzliche Infos von anderer Stelle könnten hilfreich sein, ein paar Links dazu findest du am Ende.

Viele Gesetze und Regeln orientieren sich am Gewicht deines Fahrzeuges. Bis 3,5 Tonnen bist du recht frei in deinen Entscheidungen und am Pkw angelehnt. Von 3,5 Tonnen bis zu 7,5 Tonnen gelten zusätzliche Einschränkungen, die dich in deinen Rechten beschneiden. Darüber hinaus bist du mit einem »Lkw« unterwegs – insbesondere bei der erlaubten Höchstgeschwindigkeit, aber auch in vielen anderen Fragen bist du jetzt stark eingeschränkt. Wenn du wirklich Anfängerstatus hast, musst du dich zusätzlich auch mit diesem Thema auseinandersetzen.

Eine rechtlich verbindliche und umfassende Auskunft, die dann auch noch alle Fälle und Typen mit einschließt, kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Als Faustregel kann man aber schreiben, dass natürlich alle geltenden Regeln auch für dich ihre Anwendung finden, eher mit weiteren Einschränkungen zu rechnen ist und ab einer gewissen Größe ganz andere Spielregeln gelten.

Dein Camper bis max. 3.5 Tonnen ist nicht an das für Lkw gültige Überholverbot in Deutschland gebunden, wenn es per Schild ausgezeichnet ist. Außerhalb geschlossener Ortschaften gilt auf Landstraßen für dich dann eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 100 km/h, wenn nicht zeitgleich eine zusätzliche Beschränkung weniger erlaubt. Auf Autobahnen oder mehrspurigen Landstraßen mit Fahrbahnteilern gilt diese Beschränkung auch nicht grundsätzlich.

Von 3,5 bis 7,5 Tonnen darfst du außerhalb geschlossener Ortschaften max. mit 80 km/h unterwegs sein, auf Autobahnen sind es immerhin 100 km/h. Aber immer nur dann, wenn keine zusätzlichen Vorschriften greifen.

Rechtliches ist schwierig und immer im vorliegenden Einzelfall zu betrachten, hier kannst du dir einen besseren Überblick verschaffen.

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Zusätzlich wird das Thema noch haariger, wenn du ins Ausland möchtest. Andere Länder haben meist eigene Regeln. Hier können dir die großen Automobil- oder Wohnmobilklubs und Verbände viel besser und zielgerichteter verbindlich weiter helfen.

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